Gefährliche Wissenschaft – Trash-Filme der 50er Jahre Teil 4

Ein in der Regel gut aussehender Wissenschaftler gehört zu den Hauptfiguren der Trash-Filme der 50er Jahre. Ihm zur Seite steht meistens eine hübsche Assistentin. Die Darstellung der Frau ist in den 50er Jahren differenziert, was soviel heißt wie, dass nicht alle weiblichen Figuren ein konservatives Rollenbild entwerfen. Was dennoch bleibt ist, dass die Frau dem Mann untergeordnet ist. Dies spiegelt aber lediglich die soziale Hierarchie, die in den 50er Jahren vorherrschte, wider. Eigentliches Thema in unserem Artikel ist jedoch die Wissenschaft. In den Trash-Filmen der 50er Jahre wird hiervon ebenfalls ein differenziertes Bild geliefert. Zum einen sind es die Experten, die durch ihr Wissen die Menschheit vor einer globalen Invasion oder einer sonstigen außergewöhnlichen Katastrophe retten. Zum anderen sind es Wissenschaftler in ihren Geheimlabors, die durch ihre moralisch bedenkliche Forschung Katastrophen auslösen. Indirekt fordern daher diese Filme auf, Wissenschaftler und ihr Tun besser zu kontrollieren und durchschaubarer zu machen. Dadurch wird der Wissenschaftler selbst ebenfalls unterschiedlich charakterisiert. Da gibt es den Helden, der die Menschheit rettet, und da gibt es den griesgrämigen Einzelgänger, der sich nicht an die moralischen Auflagen hält, selbts wenn sein Ziel durchaus – wie etwa in Tarantula – ehrenwert ist: den Hunger auf der Welt zu bekämpfen. Im letzten Fall erhält die Figur des Wissenschaftlers nicht wirklich einen bösen Charakter, sondern wird vielmehr zu einer tragischen Gestalt. Und jetzt zu den Beispielen:

Space Master X-7 (1958)

Space Master X-7 (1958) erzählt die Geschichte einer Raumsonde, die zurück auf die Erde fällt. Sie umgibt ein seltsamer Pilz, der im Privatlabor eines Wissenschaftlers untersucht wird. Dieser aber hat gerade Probleme mit seiner Exfrau. Dadurch unkonzentriert, kommt es zur Katastrophe. Denn der Pilz reagiert mit Blut zu einer Art Rost, der alles befällt und vernichtet. Der Film dauert gerade einmal etwas länger als eine Stunde, nutzt diese Zeit aber voll aus. Man könnte die Produktion durchaus als eine Art Science-Thriller bezeichnen, der sich genau in zwei Teile gliedert: zum einen die Untersuchung des rätselhaften Pilzes, die in einer Katastrophe endet, zum anderen die Flucht der Exfrau vor der Polizei, da sie glaubt, dass sie des Mordes an ihrem Ex-Mann bezichtigt wird. Durch ihre Flucht trägt sie die Sporen des außerirdischen Pilzes mit sich. Ein sehr spannender, realistisch umgesetzter SF-Film.

First Man into Space (1958)

First man into Space (1958) handelt vom menschlichen Ehrgeiz. „But I wanted to be the first man into space“, lautet der tragische Schlusssatz eines Astronauten, der sich, nach Rückkehr zur Erde, in ein Monster transformiert hat. Schuld daran ist eine Staubwolke, in die er bei seinem Testflug geraten ist. Der Staub umgibt den Körper des Mannes und beeinflusst sein Verhalten. Ein teilweise (für die damaligen Verhältnisse) recht krass in Szene gesetzter SF-Thriller, der auch heute nichts von seiner Wirkung verloren hat.

Attack of the Puppet People (1958)

Attack of the Puppet People (1958) ist ein Trash-Film, der die Idee des Incredible Shrinking Man nochmals aufgreift und diese recht abenteuerlich umsetzt. Handelt es sich bei Jack Arnolds Klassiker um einen durchaus ernsten Film, der sich mit den Auswirkungen radioaktiver Strahlung auseinandersetzt, so wirkt Puppet People doch eher wie ein Kasperle Theater. Regisseur Bert I. Gordon, der für mehrere Trash-Filme aus den 50ern verantwortlich ist (wie etwa den in Teil 2 unserer Artikelreihe erwähnten The Cyclops), setzte auf Action und groteske Ideen. Es geht um einen verrückten Wissenschaftler, der mithilfe von radioaktiven Strahlen Menschen verkleinert.

The Alligator People (1959)

Alligator People (1959) nimmt sich des Themas radioaktiver Strahlung wieder ernster an. Mitten in einem Sumpfgebiet versucht ein Wissenschaftler mithilfe von radioaktiver Strahlung Wunden zu heilen. Dadurch gelingt es ihm in der Tat, schwerste Verletzungen so zu behandeln, dass nicht einmal ein Kratzer übrig bleibt. Eine Konsequenz davon aber ist, dass sich die Patienten in Reptilien verwandeln, da den Verwundeten zugleich ein Stimulationsmittel gespritzt wird, das aus Alligatoren gewonnen wird. Eine Frau, die nach ihrem verschwundenen Ehemann sucht, kommt dem Forscher auf die Spur, da ihr Mann ebenfalls zu dessen Patienten gehört. Obwohl die Handlung sehr trashig klingt, ist der Film genial umgesetzt, optisch einwandfrei und schauspielerisch auf recht hohem Niveau. Alligator People gehört somit zu den besseren Vertretern der Trash-Filme aus den 50ern.

4 D Man (1959)

4 D Man (1959) dürfte als ein Höhepunkt des SF-Films der 50er Jahre gelten. Es geht um einen Wissenschaftler, dem es gelingt, Raum und Zeit aufzuheben und dadurch neuartige Materlialien zu schaffen. Als sein Bruder heimlich mit den Apparaten experimentiert, verändert sich sein Körper dahingehend, dass er auf einmal durch Wände gehen kann.  Natürlich beeinflusst diese Veränderung seinen Charakter auf negative Weise, was letztendlich zu einem Kampf zwischen den beiden Brüdern ausartet. 4 D Man ist das, was man schlicht und ergreifend als Knüller bezeichnen kann. Hier stimmt einfach alles. Die sehr gute Optik, die hervorragenden Schauspieler, die Spezialeffekte und die Figurenkonstellation. All das wird eingewoben in eine spannende und rasant erzählte Story.

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