The Tower – Eine Rezension

„The Tower“
Ein Spektakel im klassischen Stil

Regisseur Kim Ji-Hoon machte sich bisher keine guten Freunde. Sein Debut „Sector 7“ war zwar ein finanzieller Erfolg, wurde aber von der Kritik erbarmunglos heruntergemacht. Selbst Fans trashiger Kost mussten zugeben, dass die schnell zusammengebastelte 3 D-Monsterjagd nicht viel hergab.  Deswegen war durchaus Skepsis angebracht, als 2012 ein neuer Film Kim Ji-Hoons angekündigt wurde.

Mit „The Tower“ liefert Kim nun seinen zweiten Film ab, ein auf Blockbuster getrimmtes Katastrophenspektakel und zugleich ein Remake des Hollywood-Klassikers „Flammendes Inferno“ (1974). Der Film spielt während der Eröffnung des höchsten Wolkenkratzers Südkoreas in Seoul. Während der weihnachtlichen Eröffnungsfeier sollen Helikopter künstlichen Schnee herunterrieseln lassen. Bei dieser Aktion kommt es zur Katastrophe, als einer der Piloten die Kontrolle über den Heli verliert und in das Hochhaus kracht. Sofort breitet sich Feuer aus, das die meisten der geladenen Gäste von den Fluchtwegen abtrennt. Das Team um den Feuerwehrmann Kang Yong-Ki versucht, die Gäste zu befreien.

Der Trailer zu „The Tower“ ließ Übles befürchten: eine um ein Katastrophenszenario herum aufgebaute Kitsch-Version  von „The Towering Inferno“, eine Produktion also, welche dieselben Fehler wie „Haeundae“ (2009) begeht. Der Film selbst straft den Trailer jedoch Lügen. Typisch für einen Katastrophenfilm werden zunächst die Hauptfiguren mit ihren Alltagsproblemchen vorgestellt. Diesen Teil hat Kim elegant gelöst, indem er die Szenen mit viel Ironie und Humor präsentiert.  Parallel dazu braut sich die Katastrophe zusammen, sodass Spannung mit Witz um die Wette ringen. Nach der durch den abstürzenden Helikopter durchgeführten dramaturgischen Wende setzt Kim ganz auf Action und CGI, sodass „The Tower“ keine Sekunde langweilig wird. Man ist beinahe geneigt, Kims Ausrutscher „Sector 7“ zu verzeihen. Der Regisseur und mit ihm die Produzenten und Drehbuchautoren haben gelernt. Somit wird das „Tower Sky“, so der Name des Wolkenkratzers, nicht nur zu einem architektonischen Koloss, sondern zu einem Koloss des modernen koreanischen Kinos. Schon jetzt ist „The Tower“ der bisher erfolgreichste koreanische Film aller Zeiten.

Es wäre nun witzlos, wenn Produzenten aus Hollywood die Remakerechte von „The Tower“ kaufen würden, denn so würden sie nichts anderes machen als eine von Südkorea neuverfilmte Version eines US-Filmklassikers neu verfilmen. Das hieße dann wohl wirklich doppelt gemoppelt.  Kim Ji-Hoon dürfte demnächst dennoch mehr von Hollywood hören, denn „The Tower“ ist solide Action-Kost, präsentiert mit einer hervorragenden Optik.

The Tower (Südkorea 2012). Regie: Kim Ji-Hoon, Drehbuch: Kim Sang-Don, Heo Jun-Seok, Produktion: Lee Han-seung
Lee Su-man, Darsteller: Sol Kyung-Gu, Kim Sang-Kyung, Son Ye-Jin  

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