World Cinema vs. Transnational Cinema

World Cinema und Transnational Cinema beschäftigen sich mit Filmen aus aller Welt, jedoch unter anderen Grundannahmen was den Begriff Kultur betrifft.

Es geht wie immer um Begriffe. In diesem Fall stehen sich World Cinema und Transnational Cinema gegenüber. Im Grunde genommen beschäftigen sich beide Cinemas mit demselben Sachverhalt: der Untersuchung nicht-amerikanischer Filmproduktionen und nicht-amerikanischer Filmökonomien. Dennoch gibt es einen zentralen Unterschied.

Die World Cinema-Debatte hat das Problem, dass sie sämtliche Kulturen über einen Kamm schert. Es ist also egal, ob wir es mit deutschen, russischen oder japanischen Filmen zu tun haben. Die Kultur und die damit eingerhenden spezifischen Merkmale werden nicht berücksichtigt. Man könnte dies auch mit dem Slogan formulieren: Kultur ist Kultur. Damit haben die Vertreter dieser Perspektive sicherlich nicht Unrecht. Jedenfalls dann, wenn man lediglich Kultur von oben betrachtet. Macht man sich die Mühe, um die jeweiligen Kulturen zu untersuchen, so würden manche Vertreter der World Cinema-Diskussion wahrscheinlich staunen, welche wesentliche Unterschiede man zutage fördert. Das Problem ist also folgendes: die World Cinema-Debatte besitzt zwar einen Begriffsapparat, der vor kulturellen Aspekten nur so strotzt, begeht jedoch den Fehler, anzunehmen, das diese Aspekte überall dieselbe Bedeutung haben. Würde man aus dieser Perspektive russische, deutsche und japanische Filme untersuchen, so käme man zu dem Ergebnis: das z. B. die Kategorien Tanz und Essen überall auftauchen. Wieso auch nicht? Doch damit wäre die Untersuchung zu ende. Man würde sicherlich die Kameraeinstellungen diskutieren, die Beleuchtung und auch die Dramaturgie. Aber auf die unterschiedlichen kulturellen Bedeutungen der Kategorien Tanz und Essen würde man nicht eingehen, und dies wäre ein großer Fehler. Es wäre durchaus möglich, dass wir es bei dem japanischen Tanz mit einer schamanischen Zeremonie zu tun haben, während der Tanz in einem deutschen Film in einer Disco oder auf einem Ball stattfindet. Es ergeben sich frappierende Unterschiede, welche durch eine rein oberflächliche Blickweise übergangen werden würden.

Transnational Cinema berücksichtigt spezifische kulturelle Merkmale. Aus dieser Perspektive, ist jeder Blick auf die Leinwand ein anderer.

Aus diesem Grunde entwickelte sich eine weitere Diskussion, diesmal unter dem Namen Transnational Cinema. Innerhalb dieser filmwissenschaftlichen Richtung versucht man, die Ungenauigkeit der World Cinema-Debatte zu beseitigen. Film wird als eine kulturelle Ausprägung verstanden, Kulturen sind jedoch unterschiedlich und daher müssen Filme aus verschiedenen Kulturen anders analysiert werden. Man versucht hierbei auch, einen eurozentrischen Blickwinkel zu vermeiden, indem man die endogene Entwicklung der Kulturen hervorhebt. Westliche Einflüsse sind natürlich nicht auszuschließen. Doch umgekehrt ist es genauso: wie stark ist doch das aktuelle Hollywoodkino vom japanischen und koreanischen Kino beeinflusst.

Es geht jedoch nicht nur darum, welche kulturellen Merkmale Filme enthalten, sondern auch darum, wie Rezipienten unterschiedlicher Kulturen Filme wahrnehmen. Es fängt schon mit der Frage an, ob wir es beim Kinobesuch mit einem Familienausflug zu tun haben, wie dies etwa in Thailand der Fall ist,  oder mit einem reinen Privatvergnügen. Eine Methode, welche diese Unterschiede nicht berücksichtigt, führt zu verzerrten Eregbnissen bzw. stärkt den Eurozentrismus, da man davon ausgeht, der Kinosaal in Tokio sieht genauso aus wie derjenige in New York und daher glaubt, einer eindeutigen Amerikanisierung auf der Spur zu sein. Daher ist es zu begrüßen, dass die Transnational Cinema-Debatte kulturelle Merkmale spezifischer berücksichtigt.

Innerhalb dieser Debatte ergeben sich neue Blickweisen zu dem, was wir als Globalisierung verstehen. Globalisierung als kein einseitiger Prozess, sonder als ein kultureller Austausch.

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